Irmgard Griss © Sabine Hauswirth

Wer Kinder beim Deutschlernen unterstützt, hilft nicht nur dem Kind. Es ist ein Beitrag zu einem guten gemeinsamen Leben mit allen, die zu uns gekommen sind und auch bleiben werden.

Irmgard Griss Präsidentin des Vereins „Wir für Österreich – Lesepatinnen und Lesepaten für das Land“

Irmgard Griss

Wie viel Blindheit ist nötig, um diesen sozialpolitischen Tsunami nicht zu sehen? Lehnen wir uns nicht zurück, werden wir aktiv. Wir können uns keine verlorene Generation leisten – nicht als Gesellschaft, nicht als Sozialstaat.

Carina Kerschbaumer Obfrau des Vereins „Wir für Österreich – Lesepatinnen und Lesepaten für das Land“

Warum ich Lesepatin bin
Irmgard Griss

Von anderen Menschen wahrgenommen und beachtet zu werden, Anerkennung zu finden und Zugehörigkeit zu erleben sind elementare menschliche Bedürfnisse. Das Verständnis von „Wort und Schrift“ ist die zentrale Eintrittspforte, um diesen Wunsch in einer neuen Lebenswelt erfüllbar zu machen – daher bin ich Lesepate.

Hellmut Samonigg Ex-Rektor der Med-Uni Graz

Österreich droht eine verlorene Generation

mit dramatischen Folgen für den Sozial- und Wohlfahrtsstaat

  • ~ 50.000 Kinder sind als außerordentliche Schüler eingestuft, da sie dem Unterricht nicht folgen können.

  • ~ 60 % der 7.400 Erstklässler in Wien mit außerordentlichem Status sind bereits in Österreich geboren. Sie haben im Schnitt 2,14 Jahre den Kindergarten besucht.

Jasmin liest Zwei Kinder lesen

Warum?

Lehrerinnen und Lehrer können die Herausforderungen in Klassen nicht mehr stemmen, in denen nur mehr wenige Kinder Deutsch als Muttersprache haben. Eine Entwicklung, die den Sozial- und Wohlfahrtsstaat bedroht.

Unser Beitrag

Welchen Beitrag können WIR, können SIE leisten, um Kinder zukunftsfitter zu machen und Lehrer zu unterstützen? Der Direktor einer Volksschule mit Kindern aus knapp 30 Nationen meint, er müsste neben jedes Kind einen Lehrer stellen, damit es bis zur vierten Klasse jenes Sprachniveau erreicht, das nötig ist, damit es einen seiner Intelligenz entsprechenden Bildungsweg einschlagen könnte.

Helfen wir!

Eine Herausforderung, die ohne Mithilfe der ZIVILGESELLSCHAFT nicht zu stemmen ist! Werden wir als Lesepate an Schulen und in Kindergärten aktiv!

Werden Sie Lesepatin/Lesepate

Voraussetzungen

  • Unbescholtenheit - Polizeiliches Führungszeugnis
  • Deutsch in Schrift und Wort
  • Geduld, Freude an der Sprache
  • Regelmäßig einmal (oder öfter) pro Woche Zeit haben

Ihre Aufgabe

Einmal pro Woche mit Kindern in der Volksschule oder im Kindergarten nach Absprache mit den Pädagogen lesen, vorlesen. Viele Kinder können gut lesen, verstehen aber nicht die Worte, die sie lesen. Die Lesepatin / Der Lesepate fragt nach, erklärt die Worte, wiederholt sie.

Statuten des Vereins

Wir für Österreich – Lesepatinnen und Lesepaten für das Land

Sie haben Fragen oder wollen Mitglied des Vereins werden? Schreiben Sie uns!

info@lesepatenschaft.at

Wo soll ich mich als Lesepatin/Lesepate melden?

Anlaufstellen für Lesepatenschaften

Wien

In Wien vermittelt Brigitte Scholz von der Bildungsdirektion Lesepatenschaften:
lesepaten@bildung-wien.gv.at oder brigitte.scholz@bildung-wien.gv.at

Graz

In der Stadt Graz vermittelt Doris Gutschelhofer Lesepaten an Schulen. Um die wertvolle Arbeit der Lesepaten und Lesepatinnen zu unterstützen, bietet die Stadt Graz eine Bündelversicherung für ehrenamtliche Tätigkeiten (sollte es keine eigene Unfall- und Haftpflichtversicherung geben) und eine kostenfreie Mitgliedschaft in der Stadtbibliothek. Zudem wird einmal jährlich ein Empfang im Rathaus veranstaltet, um die Arbeit aller Beteiligten zu würdigen:
doris.gutschelhofer@stadt.graz.at

Bundesländer

Das Österreichische Rote Kreuz vermittelt in seinen Landesstellen Lesepatenschaften und bietet kostenlos Einschulungen. Infos unter:
https://www.jugendrotkreuz.at/kindergarten-schule-lernen/lesepat-innen/anmeldung-lesepatenschaft

Warum ich Lesepatin bin

Carina Kerschbaumer

Carina Kerschbaumer Obfrau des Vereins „Wir für Österreich – Lesepatinnen und Lesepaten für das Land“

Jahrzehntelang habe ich als Journalistin und Mitglied der Chefredaktion der Kleinen Zeitung in Graz Bildungsministern und Schulpolitikern in Kommentaren und Leitartikeln erklärt, was im Bildungssystem verabsäumt wird, unterlassen wurde, wie defizitär unser Schulsystem vor allem bei der Integration von Kindern von Migranten ist. Als heutige freie Journalistin mit viel freier Zeit sagte ich mir, es wäre sinnvoll, selbst vor Ort in einer Volksschule ehrenamtlich jene Kinder beim Lernen zu unterstützen, über die ich so oft geschrieben habe.

Und ja, ich gestehe, es liegen Welten zwischen dem Schreiben von Leitartikeln und der direkten Unterstützung von Kindern. Kinder, die in der zweiten Klasse Volksschule zwar schon gut lesen können, aber kaum verstehen, was sie lesen und die zu oft noch keinen grammatikalisch korrekten Satz sprechen können. Wie sollten sie auch! In ihrem Elternhaus wird albanisch, syrisch, türkisch, afghanisch, serbisch, persisch, arabisch gesprochen, knapp 30 Nationen sind an „meiner“ Schule vertreten, fünf von 280 Kindern haben Deutsch als Muttersprache.

Wie ich unterstütze? Ich lese jeweils mit zwei Kindern ein Arbeitsblatt, bespreche den Text, stelle Fragen, erkläre Worte. Je nach Schnelligkeit und Verständnis dauert dies rund zehn Minuten, danach kommen die nächsten zwei. Was sie am Ende immer fragen? „Und wann kommst du wieder?“ Was diese Kinder auszeichnet? Enorme Neugier, Wissbegier, Ernsthaftigkeit, Freude.

Dankeszeichnung eines Kindes Dankeszeichnung eines Kindes

Möglich, dass ich durch Zufall eine ganz besondere Klasse bekommen habe. Wie auch immer - wenn mich Yussev, Mahdi, Mohamed, Said, Malak, Jasmin anschauen, Fragen stellen, denke ich mir oft: Sollte eines dieser Kinder sich einmal wegen seiner Sprachdefizite nicht zugehörig fühlen, weiß ich eines: Es ist auch unsere Schuld. Weil es unsere Gesamtverantwortung als Gesellschaft ist/wäre, diesen Kindern jene Rahmenbedingungen zu bieten, die sie in ihren Elternhäusern nicht haben können.

Was mir die Schülerinnen und Schüler vor den Sommerferien geschenkt haben? Unzählige Zeichnungen mit kurzen Texten: „Danke, dass du mit uns liest. Danke, dass du uns magst. Danke, dass du uns hilfst ...“

Sie wissen jetzt, warum ich Lesepatin bin und warum wir versuchen, österreichweit bewusst zu machen, wie sehr wir eine Graswurzelbewegung mit Lesepatinnen und Lesepaten benötigen? Ja, einerseits aus Solidarität gegenüber diesen wissbegierigen Kindern. Aber andererseits auch im Sinne unseres Wohlfahrts- und Sozialstaates. Denn diese Kinder werden wir in zehn, 15 Jahren als Steuerzahler benötigen, um den Sozialstaat erhalten zu können. Wer somit nicht solidarisch sein will, könnte auch aus egoistischen Motiven zivilgesellschaftlich tätig werden. Oder? Kein oder!

Dankeszeichnung eines Kindes Dankeszeichnung eines Kindes